Elektrischer Rollladen

Achtung: elektrischer Strom ist lebensgefährlich! Zum Arbeiten an elektrischen Anlagen sind Fachkenntnisse und eine spezielle Ausbildung erforderlich.  Ich übernehme keine Haftung für die Korrektheit meiner Beiträge. Auch für Sach- oder Personenschäden, die durch das Arbeiten an elektrischen Anlagen entstehen können, übernehme ich keine Haftung!

Bei Neubauten sind elektrisch angetriebene Rollläden / Raffstoren / Jalousien und Markisen mittlerweile Standard.
Doch wie werden diese installiert? Was ist beim Anschluss zu beachten? Und warum können nicht mehrere Motoren direkt an einem Schalter betrieben werden?
Diese Fragen sollen in diesem Artikel geklärt werden.

Rohrmotor / Rollladenwelle / Rollladenbehang
Bei elektrisch angetriebenen Rollläden kommen sogenannte Rohrmotoren* zum Einsatz. Diese werden in der Welle des Rollladens installiert, auf dem anschließend der sogenannte Rollladenbehang oder auch Rollladenpanzer aufgewickelt wird.

Rohrmotor Rolladenpanzer Welle

Rohrmotor auswählen
Bei der Auswahl des passenden Rohrmotors ist einerseits die verbaute Welle zu berücksichtigen. So existieren verschiedene Wellen-Profile und -Durchmesser.
Andererseits ist das Gewicht des Rollladenpanzers - und damit das erforderliche Drehmoment des Motors - zu berücksichtigen.  Viele Hersteller von Rohrmotoren bieten hier Auswahlhilfen anhand der Größe (bzw. Fläche) des Rollladenbehangs.
Sofern die Auswahl des Motors nicht - wie bei Neubauten üblich - von den Fensterbauern erfolgt, sollte man sich hier gegebenenfalls von einem Fachmann beraten lassen.

Rohrmotor mit Zubehör

Rollladenkasten öffnen und Rohrmotor installieren
Bei der Installation des Motors müssen grundsätzlich die Herstellerangaben berücksichtigt werden. Dementsprechend muss der Motor vor dem Einbau in die Welle vorbereitet werden. Hierzu sind (gemäß den entsprechenden Herstellerangaben) an beiden Seiten des Motors die „Passhülsen“ für die Welle und der Vierkant für das Wandlager am Motor anzubringen (sofern dieser nicht bereits fest am Motor installiert ist).

In Altbauten sind Rollladenkästen üblicherweise von vorne zu öffnen (Bild links), während die Rollladenkästen bei Neubauten meist von unten (innerhalb der Fenster-Laibung) geöffnet werden müssen (Bild rechts).

Rollladenkasten Altbau Neubau

Zur Demontage der Welle ist der Rollladen zunächst herabzulassen. Nach dem Ausbau der Welle kann der Rohrmotor in die Welle geschoben werden.
Über das beiliegende Wandlager wird anschließend die Welle gemeinsam mit dem Motor eingesetzt und über einen Splint gesichert. Hierbei ist es üblicherweise egal, auf welcher Wellenseite der Motor installiert wird (siehe Bild). Wichtig ist jedoch, dass die Endlageneinstellung nach der Installation noch vorgenommen werden kann.
Die Rollladenwelle mit eigesetztem Motor muss nach der Montage waagerecht verbaut sein.

Installationsvarianten

Abzweigdose notwendig?
Üblicherweise befindet sich direkt am Rohrmotor eine (kurze) 4-adrige Anschlussleitung.
Ein direkter Anschluss an einem Schalter ist je nach Schalterposition im Raum - aufgrund der geringen Leitungslänge von wenigen Metern - meist nicht möglich und daher auch nur in Einzelfällen ratsam.
Ein solcher Einzelfall kann dann vorliegen, wenn der Schalter direkt unterhalb des Rollladenkastens (neben dem Fenster) installiert werden soll, sodass die Länge der Anschlussleitung bis hier ausreicht.

In der Regel werden die Rollladenschalter eines Raumes jedoch benutzerfreundlich - gemeinsam mit den Lichtschaltern - zentral neben der Tür platziert, sodass die kurze Anschlussleitung des Motors nicht bis hier reicht. Daher muss in diesem Fall eine Abzweigdose installiert werden.  Sollte der Platz im Rollladenkasten ausreichen, kann dort direkt eine Aufputz-Abzweigdose gesetzt werden (siehe Bild).

Zum Beispiel im Altbau ist durch nachträglich eingebrachte Dämmung der Platz hier jedoch oft knapp bemessen, sodass es sich alternativ anbietet eine Unterputz-Abzweigdose in unmittelbarer Nähe zum Rollladenkasten (direkt neben dem Rollladenkasten) zu installieren.

Leitungsverlegung
Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Anschlussleitung des Motors nicht für die direkte Unterputzverlegung geeignet ist. Darüber hinaus sollte bei einem Defekt ein Austausch des Motors mit möglichst geringem Aufwand vorgenommen werden können (was bei einer eingegipsten Leitung nicht möglich wäre).
Daher muss die Anschlussleitung des Motors bei der Unterputzverlegung in einem Leerrohr verlegt sein. Dies gilt sowohl für die Verlegung zu einer Unterputz-Abzweigdose als auch direkt zu einem Unterputz-Schalter.

Unabhängig von der genauen Installationsvariante ist in jedem Fall darauf zu achten, dass die Anschlussleitung im Rollladenkasten später nicht an der Welle oder dem Rollladenpanzer schleift, da dies zu einem frühzeitigen Defekt führen würde. Dies kann beispielsweise durch eine Befestigung mit Nagelschellen verhindert werden.

Anschlussschema
Doch nun zum eigentlichen Anschluss des Motors.
In diesem Beispiel führt eine 3-adrige Zuleitung zu einer ersten Dose, in der anschließend der Rollladenschalter verbaut werden soll.
Von dieser führt eine 5-adrige Leitung weiter zu einer zweiten Dose, welche die Abzweigdose darstellen soll. (Grundsätzlich werden für den Anschluss des Motors zwar nur 4 Adern benötigt, allerdings ist die Verwendung von 4-adrigen NYM-Mantelleitungen - aufgrund der schlechten Verfügbarkeit solcher Leitungen - unüblich.)
Auch die 4-adrige Anschlussleitung des Motors wird durch ein Leerrohr in die Abzweigdose geführt.

Anschlussschema (zugeschnitten)

Sofern direkt im Rollladenkasten eine Aufputz-Abzweigdose installiert wurde, muss die Anschlussleitung des Motors selbstverständlich nicht zusätzlich in einem Leerrohr verlegt werden. Auch eine im Rollladenkasten ankommende NYM-Mantelleitung muss nicht zwangsläufig in einem Leerrohr verlegt werden, da diese Leitung - im Gegensatz zur Anschlussleitung des Motors - für eine direkte Unterputzverlegung geeignet ist.
In der Abzweigdose erfolgt anschließend lediglich die Verdrahtung bzw. elektrische Verbindung zwischen der NYM-Mantelleitung vom Schalter und der Anschlussleitung des Motors.
Wie zuvor beschrieben, kann in Ausnahmefällen auf eine Abzweigdose auch ganz verzichtet und die Anschlussleitung durch ein Leerrohr direkt zur Schalterdose gelegt werden.

In Neubauten kann es darüber hinaus sinnvoll sein, zusätzlich ein Leerrohr von der Abzweigdose (bzw. vom Rollladenkasten) bis zum Stromkreisverteiler zu führen, um so eine zukunftssichere Installation zu gewährleisten.
Dies ermöglicht nämlich die (relativ) unkomplizierte Umrüstung auf eine zentrale Rollladensteuerung mit vielen komfortablen Zusatzfunktionen.

Verdrahtung in der Abzweigdose
Vor den Arbeiten müssen - wie bei allen Elektroarbeiten - die 5 Sicherheitsregeln beachtet werden.

In der Abzweigdose soll die ankommende Leitung vom Schalter mit der Anschlussleitung des Motors verbunden werden. Hierzu muss die Anschlussleitung eventuell eingekürzt und neu abgemantelt werden. Die einzelnen Adern (bzw. deren Isolation) dürfen hierbei nicht beschädigt werden.
Für PVC-Schlauchleitungen (H05VV-F) ist dieses Werkzeug* zu empfehlen.

Von der 5-adrigen Mantelleitung werden lediglich 4 Adern benötigt. Daher wird in diesem Fall zunächst die graue Ader zur Sicherheit mit einer Klemme versehen und (als ungenutzte Ader) in den hinteren Teil der Dose gelegt.
Anschließend werden in der Abzweigdose die beiden Schutzleiter (PE) miteinander verbunden.

Da die Adern der flexiblen Anschlussleitung aus vielen feinen Drähten bestehen, dürfen hier die üblicherweise verwendeten (WAGO-)Verbindungsdosenklemmen* nicht genutzt werden.
Sofern Lüsterklemmen oder andere Schraubklemmen verwendet werden sollen, müssen hier Aderendhülsen* aufgebracht werden.
An dieser Stelle sei auf meinen Artikel zum Crimpen von Aderendhülsen verwiesen.
Sofern die Anschlussleitung nicht eingekürzt werden muss, sind üblicherweise auch bereits herstellerseitig Aderendhülsen aufgebracht.

Grundsätzlich empfiehlt sich jedoch der Einsatz von sogenannten Leuchtenklemmen* oder von speziellen Verbindungsklemmen (z.B. WAGO 221*), die sowohl für eindrähtige als auch für feindrähtige Leiter geeignet sind.
Sofern diese Klemmen verwendet werden, kann auf das Aufbringen von Aderendhülsen verzichtet werden.

Auch die beiden Neutralleiter (N) werden auf gleiche Weise miteinander verbunden.

In diesem Fall sind die Adern für die beiden Fahrtrichtungen des Motors mit einer schwarz und einer braunen Ader versehen. Somit werden ebenfalls die Adern aus der Mantelleitung, mit den gleichfarbigen Adern aus der Anschlussleitung des Motors, verbunden.
Die konkreten Aderfarben von der Anschlussleitung des Motors können gegebenenfalls abweichen, sodass hier die Herstellerangaben beachtet werden müssen.

Nachdem die Verdrahtungsarbeiten in der Abzweigdose abgeschlossen sind, wird bei einer Unterputz-Abzweigdose ein Federdeckel* aufgebracht, sodass die Dose anschließend übertapeziert werden kann.
Sofern keine Tapezierarbeiten durchgeführt werden, kann alternativ auch eine sogenannte Blindabdeckung* aufgebracht werden.
Bei einer Aufputz-Abzweigdose ist hingegen lediglich der Deckel der Dose aufzubringen.

Verdrahtung abgeschlossen (zugeschnitten)

Verdrahtung in Schalterdose
In der Schalterdose wird ebenfalls zunächst die graue (ungenutzte) Ader sicherheitshalber mit einer Klemme versehen und in den hinteren Teil der Dose gelegt.
Anschließend werden auch hier einerseits die Schutzleiter (PE) untereinander verklemmt und auch die Neutralleiter (N) miteinander verbunden.

Da in diesem Fall nur eindrähtige Leiter vorhanden sind, können hier normale (WAGO-)Verbindungsdosenklemmen* verwendet werden. Alternativ können auch die zuvor bereits genannten Klemmen (z.B. WAGO 221*) genutzt werden.

Anschluss des Schalters bzw. Tasters
Nun kann der Rollladen- bzw. Jalousie-Schalter (oder Taster) angeschlossen werden.
Dieser besitzt einerseits eine mechanische Verriegelung, die das gleichzeitige Betätigen der Wippen verhindert. Zusätzlich ist der Schalter intern mit einer elektrischen Verriegelung ausgestattet, was lediglich durch den Stromlaufplan auf der Rückseite des Schalters deutlich wird.
Beide Maßnahmen sollen verhindern, dass der Motor gleichzeitig in die Auf- und in die Abfahrt-Richtung geschaltet werden kann, sodass diesbezüglich eine doppelte Sicherheit vorliegt.

Der Außenleiter aus der Zuleitung wird auf den gemeinsamen “Eingangs-Kontakt” des Schalters geklemmt. Hierbei ist der Stromlaufplan auf der Rückseite des Schalters zu berücksichtigen. Für die beiden Fahrtrichtungen besitzt der Schalter zwei weitere Anschlussklemmen.  Somit werden in diesem Fall die braune und die schwarze Ader mit jeweils einer der verbleibenden Anschlussklemmen des Schalters verbunden.

Wie zuvor bereits gezeigt, kann der Rohrmotor in der Regel sowohl rechtsseitig als auch linksseitig in der Welle verbaut werden. Daher kann anhand der Aderfarbe allein die genaue Fahrtrichtung nicht vorhergesagt werden. Deshalb werden die Adern für die Auf- und Abfahrtrichtung zunächst beliebig an den freien Klemmen des Schalters angeschlossen. Sollte die Fahrtrichtung anschließend nicht mit dem Aufdruck auf der Wippe des Schalters übereinstimmen, müssen lediglich die beiden Leiter für die Fahrtrichtungen am Schalter vertauscht werden.

Sofern die Anschlussleitung des Motors direkt in die Schalterdose gelegt wurde, muss berücksichtigt werden, dass üblicherweise auch die Klemmen am Schalter nicht unmittelbar für feindrähtige Leiter ausgelegt sind.

Abschließend kann der Schalter eingebaut und die Wippe mit Rahmen aufgebracht werden.

Rollladenschalter anschluss (zugeschnitten)

Fahrtrichtung kontrollieren
Nachdem die Anlage wieder unter Spannung gesetzt wurde, kann die Fahrtrichtung kontrolliert werden.
Wie bereits erwähnt, müssen bei falscher Fahrtrichtung die beiden Adern für die Auf- bzw. Abfahrtrichtung am Schalter vertauscht werden.

Endlagen einstellen
Im Anschluss muss die Endlageneinstellung gemäß der Herstellerangabe vorgenommen werden.
Hierzu befindet sich üblicherweise ein stabförmiges Einstellwerkzeug im Lieferumfang, mit der sich die Endlage für jede Fahrtrichtung durch Rotation in die + oder - Richtung einstellen lässt.

In Ausnahmefällen kann die Endlageneinstellung auch anders erfolgen. In jedem Fall sollte daher die Bedienungsanleitung des Herstellers berücksichtigt werden.

Abschluss der Arbeiten
Sofern alle Arbeiten gemäß den Angaben des Herstellers abgeschlossen sind, kann der Rollladenkasten verschlossen und ggf. übertapeziert werden. Der Rollladen kann nun bequem per Schalter rauf- und runtergefahren werden.

Mehrere Rollläden an einem Schalter
In manchen Fällen sollen jedoch mehrere Rollläden über nur einen Schalter betrieben werden.
Als Beispiel wäre hier die zentrale Steuerung über einen Rollladen-Zeitschalter* zu nennen.

Ebenfalls bei mehreren Fenstern in gleicher Himmelsrichtung, kann die Verwendung nur eines Schalters für mehrere Rollläden sinnvoll sein.

Trotzdem wird üblicherweise jeder Rohrmotor an einem eigenen Schalter angeschlossen.
Dies liegt daran, dass Rohrmotoren üblicherweise nicht - wie von anderen Betriebsmitteln bekannt - einfach parallelgeschaltet werden dürfen.
Was es damit auf sich hat und wie trotzdem mehrere Rollläden mit einem Schalter gesteuert werden können, soll in einem kommenden Artikel geklärt werden.